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Leben und Aufwachsen in der digitalen Gesellschaft

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Den Grundpfeiler unserer Gesellschaft stellt bis heute die liberale Demokratie mit ihren individuellen Freiheiten dar. Es herrschen größtenteils Toleranz und Offenheit und es gibt kaum noch festgelegte Zuschreibungen, sodass wir uns frei entfalten können. Dies bedeutet aber auch, dass früher geltende Traditionen und Werte, an denen sich das Individuum orientieren konnte, mehr und mehr verschwimmen und verschwinden. Lebensentwürfe werden immer individualisierter und orientieren sich in einer wertepluralistischen Welt zunehmend an den Medien. Diese beeinflussen inzwischen nahezu alle Bereiche unseres Lebens: unsere Arbeit, unser Privatleben, das politische Bewusstsein, aber auch den wirtschaftlichen und kulturellen Bereich unserer Gesellschaft (Ruf, 2017; Süss et al., 2013, 50).

Mit der zunehmenden Digitalisierung und der wachsenden Bedeutung kommunikativer Netzwerke begann in den 1970er und 1980er Jahren der Übergang ins Informationszeitalter. Abbildung 1 zeigt den Verlauf der wichtigsten medialen Errungenschaften bis zur Vermarktung der ersten Handys in den 1990er Jahren. 1992 startete die zweite Generation der Online Medien. Der www.-Browser wurde gestartet und löste seinen Vorgänger ARPANET (1958-1969) und dessen Vorläufer sowie forschungsbezogene Nutzungen von Online-Medien ab. Seit 1994 werden Online-Medien auch kommerziell genutzt (Faulstich, 2000). Rückblickend ist die Zeitspanne dieser bedeutenden Entwicklungen wirklich kurz, wo doch heute das Internet kaum mehr wegzudenken ist. Inzwischen sind wir im Web 2.0 angelangt, in dem Menschen nicht mehr nur Empfänger oder Sender sind, sondern ein Wandel zur Interaktivität stattgefunden hat. Durch das System der Cloud, welches 1999 zum ersten Mal angeboten wurde, sind Daten stets und ständig abrufbar und mit dabei. Seit 2008 gibt es mehr Geräte mit Internetanschluss auf der Welt als Menschen. Und es wird vermutet, dass bis 2020 sieben vernetzte Geräte auf einen Menschen gerechnet werden können (Gapski, 2015).

Die Schnelligkeit, mit der sich die Medien und die digitalen Technologien heute ändern und weiterentwickeln, hat es so noch nicht gegeben! Wissen und Bildung waren schon immer wichtig für den Menschen. Durch die neuen Medien haben wir heute jedoch die Möglichkeit, jederzeit auf das gesamte Weltwissen zuzugreifen. Interaktionen mit Gleichgesinnten und präferierten Angeboten sind jederzeit global möglich. Smartphone, Tablet und Laptop sind heutzutage kaum mehr wegzudenken. Informationen sind mobil, schnell zu beschaffen und umfassend. Die neuen Medien schaffen damit auch neue Wirklichkeiten, an die wir uns erst gewöhnen müssen: das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, virtuelle Räume, Big Data, Social Web, … Der Gegensatz zwischen analogem und digitalem Leben verschwindet, Virtuelles und Reales verschwimmen zunehmend (Ruff, 2017).

Gesamtgesellschaftliche Prozesse haben unser Leben in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Akzeptanz, Diversität und Inklusion werden gefordert und gefördert. Dabei spielen neben der Globalisierung auch die neuen Medien und die zunehmende Digitalisierung eine wichtige Rolle. 

Digitalisierung – Was bedeutet das?

Der Begriff Digitalisierung bezeichnete ursprünglich die Umwandlung analoger Werte in digitale Formate, wie z.B. die Umwandlung von analogen Fotografien, Tonaufnahmen oder Filmen. Durch die digitale Aufbereitung sollen Informationen langfristig gespeichert sowie flexibler und schneller verarbeitet und verteilt werden.

Im Kontext von Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft wird der Begriff Digitalisierung heute jedoch meist gleichbedeutend mit der digitalen Revolution, auch als digitaler Wandel oder digitale Transformation bezeichnet, verwendet. Durch die fortlaufende, immer schneller werdende (Weiter-)Entwicklung von digitalen Technologien werden auch in der gesamten Gesellschaft und den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Kultur und Politik tiefgreifende Veränderungsprozesse ausgelöst (Litzel, 2017).

Im Jahr 2018 bedeutet das unter anderem: Always-on, Grenztilgung zwischen Online- und Offline-Raum, Big Date, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz. Dank Smartphone, Tablet und Co. können wir jederzeit und an jedem Ort Informationen abrufen, kommunizieren, arbeiten, unseren Alltag organisieren und vieles mehr. Die Grenzen zwischen Online- und Offline-Welt verschwimmen dabei zunehmend, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die inzwischen von klein auf in einer mediatisierten Welt aufwachsen. Das Internet der Dinge will den Menschen mithilfe „intelligenter Gegenstände“ bei seinen Tätigkeiten unmerklich unterstützen – sei es das Fitnessarmband, welches uns täglich an ausreichend Bewegung erinnert, oder der Kühlschrank, der uns automatisch mitteilt, was eingekauft werden muss.

Natürlich darf bei all den Vorzügen auch ein kritischer Blick nicht fehlen. Die „anlassbezogene“ Vorratsdatenspeicherung (Big Data) ist noch immer höchst umstritten. Auch internetfähiges Spielzeug und andere Smart-Gadgets können Risiken bergen. Wichtig sind deshalb ein reflektierter Umgang mit Medien und Medienkompetenz, um die Risiken und Folgen der Digitalisierung abschätzen zu können (Ruff, 2017).

Aufwachsen in der Mediengesellschaft

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer weitgehend digitalisierten Welt auf. Digitale Medien spielen in ihrer Lebenswelt eine bedeutende Rolle. Das Internet, die sozialen Medien und Messenger-Dienste sind für sie aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Digitale Vernetzung und mediale Kommunikation prägen das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen heute mehr denn je, dabei lassen sich Online- und Offline-Welten kaum mehr voneinander trennen. Digitale Medien sind omnipräsent und werden von den jungen Menschen aktiv und kreativ genutzt, um sich selbst mit Selfies, Fotos und Videos sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt zu präsentieren und zu positionieren. Sie tragen damit zur Erweiterung des Handlungsraums und zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Wer nicht online ist und nicht die Zugänge und Möglichkeiten zur Teilhabe an der digitalen Welt hat, ist der Gefahr des Ausschlusses und der Benachteiligung ausgesetzt (BMFSFJ, 2017; Paus-Hasebrink & Hasebrink, 2017).

Im Diskurs über das Aufwachsen unserer Kinder und Jugendlichen in der Mediengesellschaft werden derzeit noch überwiegend die Risiken und Gefahren der digitalen Welt für die Heranwachsenden betont. Es ist richtig, dass das ständige Verfügbar, mit vielen Menschen gleichzeitig verbunden und zeitgleich online und offline zu sein, für die jungen Menschen eine große Herausforderung ist und mit Anstrengung, Stress und sozialem Druck verbunden werden kann. Die digitalen Medien eröffnen jedoch auch viele Möglichkeiten und positive Zugewinne. Durch die Schnelllebigkeit der Technologien und die rasante Entwicklung lernen Kinder und Jugendliche heute ganz selbstverständlich, sich schnell neu zu orientieren und anzupassen sowie selbständig, kreativ und selbstbestimmt zu lernen. Feinmotorische Geschicklichkeit, Auge-Hand-Koordination und soziale Kompetenzen werden gefördert. Medien sind wichtiger Bestandteil der Peer-Group; ein enger und vielseitiger Austausch ist hier alltäglich. Anschlusskommunikation zu Medienerfahrungen können ein Wir-Gefühl vermitteln und viele mediale Angebote können kognitive Leistungen steigern, das ist wissenschaftlich bewiesen. Die Entwicklung des moralischen Urteils und die Aneignung einer Werteskala sowie einer ideologischen Position werden sowohl durch fiktionale Medienangebote als auch durch journalistische Berichterstattung zu Krisen und Konflikten angeregt. Die Kinder und Jugendlichen setzen sich mit der Frage von Recht und Unrecht auseinander und nehmen durch die kritische Auseinandersetzung eine Einordnung von Menschen- und Weltbild vor. Soziale Vergleichsprozesse und Rollenidentifikation werden durch verschiedenste mediale Inhalte angeregt und in die Sozialisation eingebunden. Medien bekommen immer mehr einen alltäglichen Stellenwert in der Gesellschaft. Sie können nicht unterbunden werden, sondern müssen mit Hilfestellung an Kinder und Jugendliche herangetragen werden, damit sich eine kritische Reflexion mit Medien und ihren Inhalten einstellt. Die elterliche Begleitung ist dabei äußerst wichtig, um Reflexionsprozesse anzustoßen und sich Orientierung im vielseitigen Medienbereich zu schaffen. Abbildung 2 zeigt die Kontexte der Medienaneignung und verdeutlich so den Zusammenhang der Sozialisationsinstanzen (BMFSFJ, 2017; Süss et al, 2013).

Die Chancen, Risiken und Herausforderungen der Medien- und Online-Nutzung sind untrennbar miteinander verbunden. Medien können die psychosoziale Entwicklung fördern, sie können Anregungen für die Entwicklung von Rollenstrukturen oder auch Konfliktlösungsstrategien bieten und sie werden genutzt, um Verbundenheit oder Abgrenzung zu anderen zu signalisieren. Daher ist das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien zentral für das Aufwachsen in der Mediengesellschaft und eine wichtige Grundlage für gesellschaftliche und private Partizipation. 

Medienkonsum und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen

In Deutschland besitzt inzwischen so gut wie jeder Haushalt ein Smartphone, einen Computer, Internetzugang und ein Fernsehgerät, das besagt die JIM-Studie 2017 (siehe Abbildung 3). Seit 1998 befragt die JIM-Studie jährlich 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren zu ihrem Umgang mit Medien und Informationen, um ein aktuelles Bild des Medienkonsums Jugendlicher sowie allgemeine Entwicklungen und Trends zu dokumentieren. Durchgeführt und herausgegeben wird sie vom Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest (mpfs) in Kooperation mit verschiedenen Landes- und Bundesstellen sowie der SWR Medienforschung.

Auch bei den Jugendlichen selbst dominiert das Smartphone als unverzichtbarer Begleiter und Standard: mit 97% haben fast alle eines. Computer oder Laptop (69%), Fernsehgerät (53%), Radiogerät (51%) oder Spielekonsole (45%) sind deutlich seltener vorhanden, da das Smartphone als mobiler Alleskönner viele Medientätigkeiten ermöglicht (siehe Abbildung 4). Nicht verwunderlich scheint daher, dass das Smartphone bei der täglichen Mediennutzung mit 93% gleichermaßen an erster Stelle steht, gefolgt von der Internetnutzung (89%), Musik hören (83%) und Online-Videos (62%). Ein Vergleich mit den Studien aus den vergangenen Jahren zeigt den stetigen Zuwachs bei der Nutzung von Smartphones und einen deutlichen Trend im Bereich der Online-Videos, wie z.B. YouTube (mpfs, 2017).

Die aktuellen Studienergebnisse der JIM-Studie 2017 verdeutlichen, welche Bedeutung das Internet und das Smartphone, als das am häufigsten eingesetztes Gerät zur Internetnutzung, heute für die Heranwachsenden haben. Aktuell verfügen über 99% aller Jugendlichen über einen Internetzugang und nutzen diesen entsprechend. Die tägliche Nutzungsdauer anhand von Selbsteinschätzung liegt im Zeitraum von Montag bis Freitag bei 221 Minuten und ist damit im Jahr 2017 weiter angestiegen. Gerade der Vergleich mit dem Jahr 2006, als die tägliche Nutzungsdauer bei nur 99 Minuten lag, macht die rasante Verbreitung der neuen Technologien in den letzten 10 Jahren deutlich (mpfs, 2017).

Die kommunikativen Aspekte der Nutzung sind bemerkenswert und dominieren diese gemeinsam mit den Sozialen Medien. Bei der Frage nach den drei beliebtesten Internetangeboten steht YouTube mit Abstand an erster Stelle, gefolgt von WhatsApp, Instagram und Snapchat. Instagram und Snapchat verzeichnen weiterhin einen hohen Anstieg der Nutzung, während die Beliebtheit von Facebook erneut zurückgegangen ist (siehe Abbildung 5). Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch ab, wenn die Jugendlichen nach den drei wichtigsten Apps gefragt werden. WhatsApp zählt bei 88% der Befragten zu den drei Favoriten und ist damit auch 2017 wieder die beliebtest App bei Jugendlichen. Instagram belegt mit 39% den zweiten Rang, dicht gefolgt von Snapchat (34%) und YouTube (32%). Diesen Plattformen ist die bereits erwähnte Selbstdarstellung in Video und Foto gemeinsam und sie zeigen die Wichtigkeit zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit im Zusammenhang mit den Medien auf (mpfs, 2017).

Die Ergebnisse der JIM-Studie 2017 verdeutlichen, dass der soziale Lebensraum von Kindern und Jugendlichen zunehmend das „Onlife“ ist. Sie wachsen als Digital Natives mit dem Internet und den digitalen Medien auf und beginnen in immer früherem Alter mit deren

Nutzung. Dank ihres Smartphones sind vor allem Jugendliche (fast) immer erreichbar und täglich im Internet. Auf den mobilen Plattformen, in den Apps und Kommunikationstools werden sie mit einer hohen Informationsdichte und einer Vielfalt an Inhalten konfrontiert, die es zunehmend schwieriger machen, Herkunft, Qualität und Wahrheitsgehalt der Inhalte zu beurteilen. Um sich in der Komplexität der Medienwelt sicher zu bewegen, sich zurechtzufinden und sich selbst eine Meinung zu bilden, müssen Kinder und Jugendliche Nachrichten- und Informationskompetenz erlernen (mpfs, 2017; Ruff, 2017).

Quellen

BMFSFJ (Hrsg.) (2017). Jugend ermöglichen! Die Jugendbroschüre zum 15. Kinder- und Jugendbericht. Abgerufen von www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/jugend-ermoeglichen-/114192

Fleischer, S. & Hajok, D. (2016). Einführung in die medienpädagogische Praxis und Forschung. Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld der Medien. Weinheim: Beltz.

Gapski, H. (Hrsg.) (2015). Big Data und Medienbildung. Zwischen Kontrollverlust, Selbstverteidigung und Souveränität in der digitalen Welt. München: kopaed.

Gross, F. von, Meister, D. M. & Sander, U. (Hrsg.) (2015). Medienpädagogik – ein Überblick. Weinheim: Beltz Juventa.

Litzel, N. (2017. 20. Juli). Was ist Digitalisierung? Abgerufen von www.bigdata-insider.de/was-ist-digitalisierung-a-626489/

mpfs (Hrsg.) (2017). JIM 2017 – Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Abgerufen von www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2017/JIM_2017.pdf

Paus-Hasebrink, I. & Hasebrink, U. (2017). Aufwachsen mit digitalen Medien. DJI Impulse, 3/17, 4-8.

Ruff, A. (2017, 16. November). Digitale Medien – Update 2017 [Vortragsfolien]. Abgerufen von www.townload-essen.de/fileadmin/downloads/pdf/Digitale_Medien_2017_komplett.pdf

Süss, D., Lampert, C. & Wijnen, C. W. (2013). Medienpädagogik. Ein Studienbuch zur Einführung. Wiesbaden: VS. 

Autorinnen

Julia Falk, Katja Henninger