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Medienpädagogik und Medienkompetenz

Medienpädagogik

Medienpädagogik ist eine pädagogische Disziplin, die sich mit medialen Inhalten in Bezug auf Kinder und Jugendliche entwickelt hat, und bezieht sich auf die Erziehungswissenschaften, Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie die Entwicklungspsychologie. Ihre reflexive und kritische Betrachtung der Medien entstand bereits in der Zeit der Industrialisierung, in der das Buch seine Bedeutung als Massenmedium gewann. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Blick der Medienpädagogik auf die unterschiedlichsten Medien: Zu Beginn waren dies Medien wie Film, Comic, Fernsehen und Computer, heute liegt der Fokus auf dem alltäglichen Gebrauch von Internet, Smartphone und Computerspielen. Bisher haben alle Generationen neue Medien, vor allem in ihren Entstehungszyklen, nicht nur neugierig bestaunt und interessiert genutzt, sondern auch immer kritisch beäugt (Fleischer & Hajok, 2016; Gross, 2015).

Die Erfindung des Buchdruckes um 1450 stellt den Beginn der Medien dar. Über die darauffolgende Entstehung der Tageszeitung, Telegrafie, Fotografie und der nicht mehr wegzudenkenden Telefone, Fernsehgeräte und Radios sind wir heute bereits nach den Computern im Zeitalter von Smartphone und Web 2.0 angelangt. Somit hat auch die Medienpädagogik eine lange Geschichte, die allerdings erst seit den 1960er Jahren Einzug in Deutschland hält und wissenschaftliches Fundament besitzt. In ihrer historischen Entwicklung können folgende Phasen genannt werden:

1. Bewährpädagogik - 1. Drittel des 20. Jahrhunderts

2. präventiv-normative Medienpädagogik - von der Fremdbewahrung zur Selbstbewahrung

3. kritisch-rezeptive/emanzipatorisch-politische Medienpädagogik

4. bildungstechnologisch-funktionale Medienpädagogik

5. Reflexiv-praktische Medienpädagogik

6. mit Medienkompetenz zur Medienbildung

Aus all diesen verschiedenen Entwicklungsstufen haben sich im Konsens drei voneinander abgrenzbare Hauptströmungen herausgebildet: Die normative, die bildungstechnologische und die handlungsorientierte Medienpädagogik. Diese basieren auf unterschiedlichen Sichtweisen von Gesellschaft und erzieherischem Verständnis (Fleischer & Hajok, 2015).

Zunächst ging die Medienpädagogik von einem bewahrpädagogischen Anliegen aus, also der normativen Medienpädagogik. Dies bedeutet, Kinder und Jugendliche generell vor den negativen Folgen der Medien zu schützen. In vielen Diskursen hat sich die Medienpädagogik aber in den Jahren von diesem Ansatz aus weiterentwickelt und verschiedene Ansatzmöglichkeiten im Umgang gefunden. Ansinnen der Bewahrpädagogik ist es nicht, Kinder und Jugendliche generell von Medien fernzuhalten, sondern speziell und fürsorglich an gute Inhalte heranzuführen. Diese pädagogische Perspektive ist in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre anzusiedeln. Grundlegend können zwei bewahrpädagogische Ansprüche definiert werden. Zuerst gilt es, bestehende Normen und Werte zu erhalten und weiterhin Kinder und Jugendliche vor schädlichen Einflüssen zu beschützen (Gross, 2015; Fleischer & Hajok, 2015).

Die zweite Hauptströmung ist bezeichnet durch die bildungstechnologische Medienpädagogik, die ihren Start 1957 erlangte. Nachdem die Sowjetunion den ersten Satelliten in den Weltraum sandte, gab es den sogenannten Sputnik-Schock, der gerade in der Bundesrepublik Deutschland das Bestreben hervorbrachte, technologisch an dieser Errungenschaft anzuknüpfen. Heute sind diese Ansätze der bildungstechnologischen Medienpädagogik unter E-Learning, Mediendidaktik oder Lernen mit Medien bekannt. Viele neue Errungenschaften, Lernprozesse mit Medien und medialen Inhalten zu verknüpfen, bekommen bis heute nicht das Augenmerk und werden generell mit kritischen Augen begutachtet (Fleischer & Hajok, 2015).

Zuletzt ist die handlungsorientierte Medienpädagogik zu nennen. Dieser Ansatz entwickelte sich hauptsächlich in den 1980er Jahren, unter anderem auch durch den Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke, der einen großen Einfluss auf diese Strömung hatte. Anhand seiner Ausarbeitungen entwickelte sich der Begriff der Medienkompetenz. Die handlungsorientierte Medienpädagogik zielt auf die Befähigung und kritische Auseinandersetzung im Umgang mit Medien, auf das Um- und Mitgestalten von Medien und eine Kompetenzaneignung, um individuelle Lebensumstände und Zielsetzungen zu bewältigen. Sie versucht, den Blick und das Verständnis von Medien und ihren Inhalten durch die Kompetenz im Umgang mit ihnen zu schärfen und zu schulen und gleichzeitig den Blick auf schädliche mediale Inhalte und Geräte sowie die Auswirkungen auf Kinder, Jugendliche und die Gesellschaft nicht zu verlieren (Fleischer & Hajok, 2015).

Ab den 1990er Jahren hatte sich die Medienpädagogik in den deutschsprachigen Ländern weitestgehend zu einer eigenständigen Profession herausgebildet, die mit Lehrstühlen und hoher Wissenschaftlichkeit an den Hochschulen präsent ist. Der bereits seit den 1970er Jahren gesetzte Fokus auf die Medienkompetenz, also den Ansatz der handlungsorientierten Medienpädagogik, hat sich weiter etabliert und Medienkompetenz ist zum Schlüsselbegriff der aktuellen Medienpädagogik geworden. Verschiedene Verbände, Netzwerke und Projekte haben sich auch auf europäischer Ebene gebildet und bringen den strukturellen Aufbau und die Wissenschaft der Medienpädagogik weiter voran.

Medienkompetenz

Der Begriff Medienkompetenz ist in den vergangenen Jahrzehnten zum Schlüsselbegriff der aktuellen Medienpädagogik und zum Schwerpunkt wissenschaftlicher Arbeiten in diesem Bereich geworden. Er setzt sich aus den Bestandteilen „Medium“ und „Kompetenz“ zusammen. Medium bedeutet, ein Mittel oder Mittler bzw. etwas Vermittelndes (von Gross 2015). Der Begriff Kompetenz entstammt dem lateinischen Wort „competentia“ und lässt sich als Zusammentreffen übersetzen, oder auch aus dem englischen Wort „competence“, was Zuständigkeit bedeutet. Somit kann daraus abgeleitet werden, dass es eine Zuständigkeit eines bestimmten Handlungsbereiches gibt, der mit Fähigkeiten und Bereitschaften von handelnden Personen zusammentrifft. Medienkompetenz wird ebenfalls wie die Sozialkompetenzen als Schlüsselkompetenz einer gelungenen Sozialisation junger Menschen angesehen (Fleischer & Hajok, 2016).

Vorreiter der Definition dieses in der Medienpädagogik wichtigen Begriffes ist der bereits erwähnte Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke. Er erweitert somit den Kompetenzerwerb von Kindern und Jugendlichen im Bereich der Sozialkompetenzen um einen weiteren Baustein. Baackes Verständnis von Medienkompetenz schließt sich der Kompetenztheorie an, welche das Individuum in den Vordergrund stellt und die Kompetenz als verfügbare Strategien und Lösungen von Problemen aus eigener Kraft sieht. Darunter fallen Problemstellungen sowie Barrieren und Chancen zu erkennen, die Fähigkeit sich seine eigene Meinung zu bilden und das Ziel, Entscheidungsfähigkeit sowie Strategien des Handelns zu entwickeln. Dieter Baacke‘s Ausarbeitungen gelten bis heute als grundlegend und werden folgend näher definiert (Fleischer & Hajok, 2016).

Dieter Baacke unterteilt die Medienkompetenz in vier Bereiche: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.

Die Medienkritik beschreibt die Eigenschaft der Menschen, sich analytisch, ethisch und reflexiv auf Medien zu beziehen. Medienkritik meint nicht, etwas als schlecht anzusehen und auszuschließen, sondern vielmehr die Unterscheidung und Entscheidung, welche Medien wie eingesetzt werden sollen: Schreibt man eine E-Mail, einen Brief oder greift zum Telefon und ruft sein Gegenüber an? Weiterhin geht es um die Auseinandersetzung damit, warum dieses Medium in bestimmten Situationen genau so eingesetzt wird. Letztendlich entscheidet jeder nach einer kritischen Auseinandersetzung für sich selbst, welche Medien zum Einsatz kommen und welche nicht.

Medienkunde beschreibt Baacke als das Wissen über Medien im Sinne der Informationsbeschaffung und der Kenntnis unterschiedlicher Mediensysteme sowie die Kenntnis über die Bedienung und Benutzung der unterschiedlichen Medien. Zum einen geht es dabei um Grundlagen, wie z.B. der Journalismus arbeitet oder jeder für sich selbst Medien effektiv nutzen kann, zum anderen aber um die Fähigkeit, dem Fortschritt der Technik standzuhalten und sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen.

Den dritten Teilbereich von Medienkompetenz beschreibt er als Mediennutzung. Hier wird die eigene Nutzung unterschiedlicher Medien sowohl als Anbieter als auch Nutzer definiert. Es ist die Mediennutzung als aktive und produktive Auseinandersetzung mit den Medien gemeint. Heutzutage kann ein jeder mit einer Fotokamera umgehen. Ebenso soll sich aber damit auseinandergesetzt werden, eigene Homepages zu entwerfen, Videobeiträge zu gestalten oder eigene Radiobeiträge zu produzieren.

Zuletzt spricht Baacke die Mediengestaltung an, eine innovative und kreative Möglichkeit, Medien selbst zu gestalten. Hiermit sind technische als auch inhaltliche Ausrichtungen gemeint, die anhand unterschiedlicher Themenorientierungen frei gestaltet werden können.

Zur Förderung von Medienkompetenzen formulieren Tulodziecki, Herzig und Grafe fünf Aufgabenbereiche für die Förderung von Medienkompetenz im schulischen Kontext: Das Auswählen und Nutzen (vorhandener) medialer Angebote, das Gestalten und Verbreiten eigener medialer Beiträge, das Verstehen und Erkennen von Mediengestaltungen, das Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen, das Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion und Medienverbreitung (Gross, 2015).

Ergänzt wurde der Bereich der Medienkompetenz inzwischen durch das Medialitätsbewusstsein sowie die medienbezogene Genussfähigkeit. In den Debatten der letzten Jahre gibt es auch bereits einige weitere Entwicklungen. Der Begriff der Medienbildung zieht immer weiter in die Medienpädagogik ein und setzt nun den Fokus auf Bildungstheorien und nicht mehr auf die Kompetenztheorien (Gross, 2015).

Autorin:

Julia Falk

Quellen

Fleischer, S. & Hajok, D. (2016). Einführung in die medienpädagogische Praxis und Forschung, Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld der Medien. Weinheim: Beltz.

Gross, F. von, Meister, D. M. & Sander, U. (Hrsg.) (2015). Medienpädagogik – ein Überblick. Weinheim: Beltz Juventa

Tulodziecki, G. (2015). Medienkompetenz. In von Gross et al. (Hrsg.). Medienpädagogik ein Überblick. Weinheim: Beltz Juventa, S. 13-31.