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Medienpädagogik in der Sozialen Arbeit und der Erlebnispädagogik

Medienpädagogik in der Sozialen Arbeit

In der Sozialen Arbeit finden gegenwärtig verschiedene fachwissenschaftliche Diskurse statt, dazu gehören unter anderem:

Soziale Arbeit als Hilfe zur Exklusionsvermeidung, Inklusionsvermittlung und/oder Exklusionsverwaltung

Soziale Arbeit als Bearbeitung sozialer Probleme

Die reflexive bzw. dienstleistungsorientierte Soziale Arbeit

Die lebensweltorientierte Soziale Arbeit (Helbig, 2014)

Als Grundlage dieser Ausarbeitung dient der lebensweltorientierte Ansatz nach Thiersch. Dieser geht von einer Reorganisation gegebener Lebensverhältnisse aus, um einen gelingenderen Alltag zu ermöglichen. Das Individuum steht im Fokus und wird dort abgeholt, wo es gerade steht (Thiersch, 2014).

Einen aktuellen Fokus legt die Soziale Arbeit aufgrund der mediatisierten Gesellschaft speziell auf die Ausbildung von Medienkompetenzen, die der aktuellen Lebenswelt entstammen und die das Individuum für ein gelingendes Leben benötigt. Soziale Problemlagen können von Medien ausgehen oder werden gar durch sie verstärkt. Helbig (2014) formuliert daher neun zentrale Punkte, die eine methodische Anwendung der Medienpädagogik im Feld der Sozialen Arbeit betreffen:

1. „Die Metaprozesse des sozialen Wandels prägen soziale Themen und Problemlagen. Dies legt nahe, dass auch Medieninhalte und -formate als ein Bedingungsfeld durch die Akteure/-innen der Sozialen Arbeit kontinuierlich kritisch wahrgenommen werden müssen.

2. Da Soziale Arbeit Kommunikation als Handlungsgrundlage hat, ist sie der Öffentlichkeit verpflichtet und auf eine Nutzung medialer Kommunikationsformen angewiesen.

3. Aufgabe der Sozialen Arbeit ist es, Beratung, Unterstützung und Begleitung mitunter auch Schutz für Menschen gegenüber der Medienwelt zu bieten.

4. Soziale Arbeit muss die Funktion von Medien als Hilfsmittel für Menschen zur Lebensbewältigung in besonderen Lebenslagen anerkennen, verdeutlichen und unterstützen.

5. Soziale Arbeit muss dazu beitragen, soziale Benachteiligung beim Medienzugang und Medienkompetenz auszugleichen.

6. Medienpädagogik darf nicht nur als Lernen gegenüber Medien betrachtet werden, sondern als Hilfsmittel für internationale Lernprozesse. Das Lernen mit Medien muss somit auch in Bereichen außerhalb der Schule genutzt werden.

7. Soziale Arbeit muss grundsätzlich allen Menschen eine kreative und ästhetische Gestaltung mit Medien ermöglichen.

8. Soziale Arbeit muss lokale Aneignungsprozesse der globalen Medienwelt in Form von Kulturarbeit unterstützen und ermöglichen.

9. Soziale Arbeit muss klären, was medienpädagogisches Handeln im Kontext ihrer Profession bedeutet und Medienkompetenz als Stärkung der Ressourcen der Menschen betrachten.“ (Helbig, 2014, 52)

 

Ansätze, Methoden und Themen der Medienpädagogik sind grundlegend für eine professionelle Soziale Arbeit in unserer digitalisierten und mediatisierten Gesellschaft (Helbig, 2014). Betrachtet man die weiteren Ausarbeitungen Helbigs (2014) in Bezug auf das vorliegende Konzept zur Zielgruppe der Jugendlichen, beruft dieser sich stark auf Lerche (2010), der in einer detaillierten Beschreibung zu folgenden Funktionen und Dimensionen der Sozialen Arbeit im Kontext von Medien und Bildung in der Gesellschaft kommt.

Die Medienpädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen bewusst und selbstbestimmt mit Medien umgehen (Helbig, 2014).

Medienpädagogik umfasst medienpädagogische Überlegungen, Maßnahmen und Angebote für alle Altersgruppen und erkennt gleichermaßen das kulturelle Interesse und die Entfaltungsmöglichkeiten mit und durch Medien an.

Helbig (2014) zitiert dazu Dieter Baacke:

„Medienpädagogik umfasst [sic!] alle medienpädagogischen, sozialpolitischen und sozialkulturellen Überlegungen und Maßnahmen sowie Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ihre kulturellen Interessen und Entfaltungsmöglichkeiten, ihre persönlichen Wachstums- und Entwicklungschancen sowie ihre sozialen und politischen Ausdrucks- und Partizipationsmöglichkeiten betreffen. [...] Diese kulturellen Interessen und Entfaltungsmöglichkeiten werden heute beeinflusst [sic!] und mitgestaltet durch expandierende Informations- und Kommunikationstechniken [...].“

 

Kerninhalte der methodischen Gestaltung der Medienpädagogik in der Sozialen Arbeit sind das Initiieren von Medienbildungsprozessen als Bestandteil der Persönlichkeitsbildung, Förderung und Vermittlung von Medienkompetenz als Bestandteil der Allgemeinbildung, Bearbeitung sozialpädagogischer Probleme durch Eröffnung von Medienbildungschancen sowie die Bearbeitung problematischen Mediennutzungsverhaltens durch die Förderung und Vermittlung von Medienkompetenzen (Helbig, 2014).

 

 

Zusammenführung der Medienpädagogik und der Erlebnispädagogik

Medienpädagogik und Erlebnispädagogik beschäftigen sich beide intensiv mit dem Ansatz des Kompetenzerwerbes, so dass ihr Zusammenspiel bereits an dieser Stelle zu erkennen ist. Sowohl in der Erlebnispädagogik, als auch in der Medienpädagogik soll etwas antrainiert werden, der Mensch soll zu etwas befähigt werden. Diese Befähigung dient als Ressource, um Übergänge im Lebenslauf zu bewältigen, aber auch dazu, mit Menschen zu kommunizieren und in Interaktion zu gehen. Die Erlebnispädagogik stützt sich hierbei auf die Kommunikation und die Interaktion der Menschen im alltäglichen nicht digitalen Leben, wobei die Medienpädagogik diese Kommunikation und Interaktion auf den Raum der digitalen Welt ausweitet. Generell geht es um Kompetenzen, deren Training und deren Erweiterung es gilt zu meistern. Ebenfalls arbeiten beide Disziplinen auf der Grundlage des Handlungslernens.

In einem kleinen Exkurs kann an dieser Stelle auch die Gemeinsamkeit im Bereich der Spiele festgehalten werden. Computerspiele besitzen in der Gesellschaft, gerade in der Zielgruppe der Jugendlichen, eine wesentliche Rolle. Besonders interessant ist der Bereich der pervasiven Spiele, bei denen sich Erlebnispädagogik und Medienpädagogik bereits seit vielen Jahren überschneiden. So ist das Geocaching der bekannteste digitale Vertreter, der bereits in der Erlebnispädagogik als Methode in Aktionen eingesetzt wird, mithilfe von GPS Geräten und Smartphones. Dieser Gruppe der Spiele gehören auch unterschiedliche Rollenspiele an, bei denen durch Kamera oder Smartphone die Umwelt mit eingebaut wird und die Grenze zwischen realer und virtueller Welt verschwimmt. Die Stadt oder auch die Natur werden als Spielraum integriert. Ein zuletzt großer Trend und Hype, der, ganz ohne Einwirken der beiden Disziplinen, Natur und Medien zusammenbrachte, war Pokémon Go, so dass dieses bereits in erste erlebnispädagogische Programmangebote eingebunden wird (Winter, 2011).

Beide Disziplinen haben wichtige Überschneidungspunkte, die sehr gut kombiniert werden können und deren Nutzen bereits erkannt wurde. Eine Verschmelzung der Disziplinen ist allerdings nicht zu erkennen. Über eine Zusammenführung von Sozialer Arbeit, Medienpädagogik und der Erlebnispädagogik könnten jedoch die sozialen Kompetenzen und die Medienkompetenzen gekoppelt werden. Um in die Verbindung der beiden Kompetenzerwerbe genauer einzusteigen, werden die wichtigsten Anhaltspunkte kurz erläutert.

Ganz allgemein gesprochen, geht es um den Erwerb, die Erweiterung und das Training von Kompetenzen. Für das Individuum ist es wichtig, diese Kompetenzen auszubilden, um Übergänge im Lebenslauf besser zu meistern und in der Kommunikation und Interaktion sowohl in der realen, als auch der digitalen Welt, zurechtzukommen.

Soziale Kompetenzen lassen sich schwierig erfassen, da es sich vielfältig um Persönlichkeitsmerkmale handelt. So sind es Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Kooperations- und Koordinationsfähigkeiten, Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit, Sensibilität, interpersonale Flexibilität und Durchsetzungsfähigkeiten, die unter das Soziale Lernen fallen. Es geht um eine kritische Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt.

Die Medienkompetenz verweist auf das Leben in der digitalen Welt. Auch hier sind es Soft Skills, die dem Kommunizieren und Interagieren in der digitalen Welt zugeschrieben werden. Die Auseinandersetzung ist komplex und bedarf Reflexion und Wissen. So sind es die Medienkritik, die Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkunde, die es gilt zu erwerben, zu erweitern und zu trainieren.

Soziale Kompetenzen und Medienkompetenzen lassen sich nicht nur gut verbinden, um gerade Jugendlichen einen größtmöglichen Fundus an Kompetenzen in ihrer Phase der Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung bereitzustellen. Medienkompetenzen können erst gar nicht ohne die Ressource der sozialen Kompetenzen geschult werden.

Moser hat deshalb eine Matrix entwickelt, die die Entwicklung von personalen Kompetenzen und Medienkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zusammenbringt. Diese Matrix erklärt gut das Zusammenspiel der personalen Kompetenzen sowie der Medienkompetenzen und dient als Basis zur Entwicklung von Bildungsstandards (Moser in Gross, 2015).

Anhand dieser Matrix lässt sich sehr gut herauslesen, dass Medienkompetenzen auch immer in einem Zusammenspiel mit Medienwissen, Handlungskompetenzen und sozialen Kompetenzen stehen. Das Können im Bereich der Medienkompetenzen meint die Anwendung und das Gestalten von Medienprodukten. Diese Anwendung und das Gestalten setzen ein grundlegendes Wissen über Medien voraus und eine entsprechende Differenzierung, welches Medium wie und wann für den eigenen Gebrauch genutzt wird. Dieses erlernte, routinierte und mediengerechte Handeln ist eine wichtige Handlungskompetenz. Die Säule der Sozialkompetenzen bedingt weiterhin das sozial angemessene Kooperieren mit den Medien.

Ein nächster Abschnitt definiert den Austausch und die Vermittlung von Medienbotschaften. Die Kompetenz des Medienwissens ist als die Beherrschung der Sprache von Medien zu beschreiben, die wiederum unter dem Aspekt der Handlungskompetenz eine gezielte Nutzung der persönlichen Bedürfnisse sieht. Die soziale Kompetenz besteht darin, dass Medien mit dem Ziel der Zusammenarbeit und Kooperation genutzt werden und ebenfalls die Verantwortung für eigene vermittelte Botschaften zu tragen.

Eine letzte formulierte Ebene ist der Bereich der Medienreflexion und Medienkritik. Das Medienwissen setzt voraus, dass die Regeln des Mediensystems gekannt und kritisch beurteilt werden können. Die Handlungskompetenz richtet sich dabei an eine kritische Beurteilung des eigenen Medienhandelns und die sozialen Kompetenzen inkludieren wiederum eine kritische Beurteilung der Medienwirkungen auf das eigene Handeln.

 

Die enge Verknüpfung zwischen Sozialkompetenzen und Medienkompetenzen ist durch diese Erläuterungen sehr gut zu erkennen. Eine methodische Zusammenführung der Medienpädagogik und Erlebnispädagogik gibt es bereits in ersten Produkten sowohl erlebnispädagogischer als auch medienpädagogischer Anbieter. Insbesondere die neue Version der Schnitzeljagd – Geocaching – ist Vorreiter vieler erlebnispädagogischer Klassenfahrten, die somit unbewusst oder bewusst eine Kombination der beiden Methoden getätigt haben. 

Autorin

Julia Falk

Quellen

Gross, F. von, Meister, D. M. & Sander, U. (Hrsg.) (2015). Medienpädagogik – ein Überblick. Weinheim: Beltz Juventa.

Helbig, C. (2014). Medienpädagogik in der sozialen Arbeit, Konsequenzen aus der Mediatisierung für Theorie und Praxis. München: kopaed.

Thiersch, H. (2014).

Winter, A. (Hrsg.) (2011). Spielen und Erleben mit digitalen Medien. Pädagogische Konzepte und praktische Anleitungen. München: Reinhardt