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CITY BOUND – Großstadt (er)leben

Im Zuge von stetig weiter wachsenden Städten und der Entwicklung, dass es immer mehr Menschen zu einem Leben in die Städte zieht, gewinnt ein Begriff in der Erlebnispädagogik zunehmend an Bedeutung: City Bound.

City Bound als erlebnispädagogischer Ansatz nutzt, im Gegensatz zu den klassischen erlebnispädagogischen Angeboten, den Lebensraum Stadt als Lern- und Erfahrungsfeld. Abgeleitet von dem durch Kurt Hahn geprägten Begriff Outward Bound (ursprünglich aus der Seefahrersprache kommend – „Leinen los!“) lassen sich Teilnehmer auf ein Abenteuer in der Stadt ein, um dort an ihre Grenzen zu gelangen und neue Perspektiven und Eindrücke zu gewinnen. Nachfolgend stellen wir Ihnen drei Möglichkeiten von Erlebnissen in der Stadt vor.

Geocaching - Schnitzeljagd 2.0

Im Jahr 2000 eröffnete der Amerikaner Dave Ulmer die Jagd nach „Schätzen“, die zusammen mit einem Logbuch in einem Behälter versteckt und anhand von GPS-Koordinaten entdeckt werden müssen. Als Zubehör benötigt man lediglich einen GPS-Empfänger. Die Menge an Angeboten solcher Geräte erschwert die Entscheidung zum Kauf ungemein. Einen kurzen und guten Überblick über die verfügbaren Gerätehersteller bietet die Internetplattform geocaching.de.

In der Erlebnispädagogik kann Geocaching als Angebot beispielsweise in der Genderarbeit eingesetzt werden. So hat im Jahr 2008 das Medienkulturzentrum Dresden ein entsprechendes Angebot entwickelt mit dem Ziel, jungen Frauen auf spielerische Art und Weise Wissen über die wichtigsten historischen Frauen der Stadt Dresden zu vermitteln.

Geocaching kann aber auch ganz klassisch für das Erlernen im Umgang mit GPS-Geräten und das Wiederfinden von GPS-Koordinaten auf einer Stadt- oder Landkarte genutzt werden. Der Anreiz liegt hierbei in der Suche und Knobelei, der Herausforderung in (un)bekannter Umgebung ein Versteck zu entdecken oder sich mit einer Gruppe zum Erreichen eines Ziels auseinandersetzen zu müssen. Und eines ist gewiss: Der Spaßfaktor ist bei dieser Angebotsform garantiert inklusive.

Soft Skills – Persönlichkeitsentwicklung in der Großstadt

In der Berufswelt haben soziale und emotionale Kompetenzen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die sogenannten „Soft Skills“, also jene Eigenschaften, Fähigkeiten und Qualifikationen, die nicht durch ein Studium oder eine Ausbildung erworben werden können, sind jedoch deutlich schwieriger zu erlernen und zu überprüfen als Fachwissen oder das Anwenden von handwerklichem Geschick. Zur Stärkung der sozialen und emotionalen Kompetenzen kann die Erlebnispädagogik einen wirksamen Beitrag leisten. Wenn es beispielsweise darum geht fremde Menschen anzusprechen und Hemmschwellen in der Kontaktaufnahme abzubauen, kann dies durch entsprechende Übungen trainiert werden. Eine Aufgabe könnte dann wie folgt aussehen: Mitten auf dem Kölner Domplatz bekommt eine Jugendliche die Aufgabe einen Passanten dazu zu bringen, einen Knoten in eine ungekochte Nudel zu machen. Da die Aufgabe so ungewöhnlich scheint, wird sich die Jugendliche aufgrund ihrer individuellen Reaktionserwartung der Passanten womöglich schwer tun, einen Passanten anzusprechen. Die Jugendliche wird bei einer solchen Übung lernen, selbstbewusst gegenüber Mitmenschen aufzutreten, durch Abweisungen nicht aufzugeben und ihre Grenzen zu erkennen. In der anschließenden Reflexion der Aufgabe mit einer Gruppe oder dem anleitenden Erlebnispädagogen kann sie ihre Erfahrungen schildern und neue bzw. andere Handlungsalternativen kennenlernen.

Ein Tag im Rollstuhl - Rollentausch

Ebenfalls zu der Kategorie der Soft Skills gehört das Empfinden von Empathie. Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und Erlebnisse nachempfinden zu können, ist eine stark gefragte Kompetenz in unserer Gesellschaft. Die Perspektive zu wechseln und die Welt mit anderen Augen wahrnehmen zu können, wird unter anderem in unserer Berufswelt häufig als Kompetenz vorausgesetzt.

Mit einem Rollentausch kann Teilnehmern von erlebnispädagogischen Angeboten dieser Perspektivenwechsel gelingen. Wie sieht ein Tag für Menschen aus, die auf die Nutzung eines Rollstuhles angewiesen sind? Wie erleben sie ihre Stadt und was widerfährt ihnen um zu arbeiten, einzukaufen oder sich mit Freunden zu treffen? Welche Emotionen entstehen in solchen Situationen und wie kann ich damit umgehen? Erst durch das Erlebnis wird den Teilnehmern deutlich, wie sehr sich ein Tag durch veränderte Ausgangsbedingungen ändern kann. Und durch die anschließende Reflexion kommen sowohl erwartete als auch überraschende Erkenntnisse zum Vorschein, die den Blick auf das eigene und das Leben anderer nachhaltig verändern können.

Dies sind nur drei Beispiele für erlebnispädagogische Aktionen, die unter dem Begriff „City Bound“ angeboten werden. Weitere Möglichkeiten wären Abseil- und Kletteraktionen an Hauswänden und Brücken, Kanufahrten auf Stadtgewässern und Floßbauaktionen, Survival-Aktionen, Sinnesparcours und vieles mehr. Letztendlich kann jede Aktion, die in der freien Natur angeboten wird, in unsere Städte übertragen werden. Hierzu benötigt es lediglich etwas Fantasie und den Wunsch, unsere Mitmenschen für Erlebnisse begeistern zu wollen. 

Autor

Marcus Weber

Quellen

Abenteuer in Stadt und Natur. Abgerufen von www.monika-lazar.de/fileadmin/lazar_layout/downloads/CBBAngeb.pdf

City Bound. Abgerufen von www.taten-wirken.de/citybound/

Definition Soft Skills / Hard Skills. Abgerufen von www.berufsstrategie.de/bewerbung-karriere-soft-skills/soft-skills-definition-hard-skills.php

Großstadtabenteuer City Bound. Abgerufen von www.e-l-e.de/gro-stadtabenteuer-city-bound/

Was ist City Bound? Abgerufen von www.kap-outdoor.de/ausbildung-erlebnispaedagogik/ausbildung-erlebnispaedagogik/kurse/city-bound-hamburg/was-ist-city-bound.html

Winter A. (Hrsg.) (2011). Spielen und Erleben mit digitalen Medien. Pädagogische Konzepte und praktische Anleitungen. München, Basel: Ernst Reinhardt.