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Die Offene Schule Köln – Eine Schule für alle!

erlebnispädagogik.online im Gespräch mit Hans Flinkerbusch, Schulleiter der Offenen Schule Köln, über sein innovatives Schulkonzept und eine individuelle Lernkultur

Hans Flinkerbusch
Hans Flinkerbusch

erlebnispädagogik.online im Gespräch mit Hans Flinkerbusch, Schulleiter der Offenen Schule Köln, über sein innovatives Schulkonzept und eine individuelle Lernkultur

Kurt Hahn ist einer der Urväter der Erlebnispädagogik. Erfahrungslernen, Grenzen kennenlernen und respektieren, Erfahrungen reflektieren, Alltagstransfer und die Verknüpfung von Spaß und Erfolg bilden die Basis der Erlebnispädagogik.

Die Offene Schule Köln (OSK) ist eine integrative Gesamtschule, die als staatlich genehmigte Ersatzschule fungiert. Ihr Konzept zeigt einige Parallelen zur Erlebnispädagogik auf. Hans Flinkerbusch ist Schulleiter der OSK und hat mit uns über seine Schule und sein innovatives Schulkonzept gesprochen.

Frontalunterricht, straffe Bildungspläne, Regelklassen – so etwas existiert in der OSK nicht. Die Schüler entscheiden nach ihren individuellen Bedürfnissen und wählen im Zuge dessen innerhalb von Lernformaten unterschiedliche Fächer. Diese Freiheit der Kinder im Schulalltag sieht Hans Flinkerbusch als absolutes Alleinstellungsmerkmal der OSK.

Das Lernformat 1 („Individuelle Lernzeit“/Fachbüro) beinhaltet die Hauptfächer Mathe, Deutsch und Englisch und bietet den Schülern die Möglichkeit, den Stundenumfang jedes dieser Fächer pro Woche frei zu wählen. So lernen sie selbst einzuschätzen, wie sie Fächer, für die sie besonders gerne lernen, gut mit weniger geliebten Fächern abstimmen können.  Dazu gehört immer die Beratung und Begleitung der Lehrperson mit Vorschlägen, wie der Schüler die Wochenzeit klug einteilt. 

Schulleiter Flinkerbusch erläuterte uns, dass die Kinder in solchen Situationen ihre Stärken und Schwächen kennenlernen und sich dadurch gegenseitig anspornen, helfen und motivieren. Durch diese Herausforderungen erfahren sie, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und erlangen eine individuelle Förderung, angepasst an ihre individuellen Potenziale.

Stellen die Schüler in einem Lernbereich besondere Motivation oder aber Schwächen fest, können sie sich dazu entscheiden, das Fachbüro zu besuchen. Im Fachbüro findet dann für angemeldete Schüler 60 Minuten Mathe, Deutsch oder Englisch statt. Die Kinder treffen hier also eine Entscheidung. Sie können in dieser Zeit sich nicht umentscheiden, wie sie das parallel in der sogenannten Basis können.

Das Lernformat 2, der Projektunterricht, besteht aus sechs Projektstunden pro Woche. Hier haben die Schüler die Möglichkeit, über ein halbes Jahr ein Thema ihrer Wahl auszuarbeiten. Am Ende des Schulhalbjahres steht eine Präsentation über alle Projekte an.

In der Werkstatt I (Latein, Französisch, Naturwissenschaften, Technik, Hauswirtschaft, Darstellen & Gestalten) können die Schüler der sechsten Klassen zwischen unterschiedlichen Fächern wählen. Das gewählte Fach wird das vierte Hauptfach neben Mathematik, Deutsch und Englisch und findet zweimal pro Woche für jeweils 90 Minuten statt.

In der Werkstatt II können die Fächer Musik, Kunst, Religion, Praktische Philosophie und diverse Vertiefungsangebote als Epoche (10 Wochen lang) gewählt werden.

Auch die Klassen- und Jahrgangsstrukturen der OSK unterscheiden sich von denen der Regelschulen. Die Unterstufe der Sekundarstufe I (Klasse 5-7) und die Mittelstufe der Sekundarstufe I (Klasse 8-10) bestehen aus altersgemischten Lerngruppen. Eine Klasse setzt sich aus max. 25 Schülern zusammen, von denen durchschnittlich 25% einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Betreut werden die Schüler von einem Gesamtschullehrer sowie einem Sonderpädagogen, die eine stärkenorientierte Pädagogik leben. Klassische Klausuren und Arbeiten schreiben die Schüler der OSK nicht. Sie werden durch Präsentationen ihrer Projekte oder durch Tests sowie mündliche Prüfungen oder persönliche Gespräche geprüft. Ebenso haben die Schüler die Chance, ihr Können zu zeigen, indem sie ihren Mitschülern den Unterrichtsinhalt erklären. Die Schüler entscheiden dabei individuell, zu welchem Zeitpunkt sie bereit sind, geprüft zu werden.

In der Sekundarstufe II kann die OSK noch nicht so frei arbeiten wie in der Sekundarstufe I. Schulleiter Flinkerbusch betonte, dass er dies als Einschränkung empfinde, da das Konzept der OSK, seines Erachtens, mit den bestehenden Lernmethoden und erweiterten Strukturen in der Sekundarstufe II noch effektiver und effizienter Ziele erreichen könnte.

Die OSK unterscheidet sich von Regelschulen zudem durch ihre textbasierte, individuelle Notenvergabe. In ihren Zeugnissen möchte die Schule die individuellen Verläufe der persönlichen Lernprozesse der Schüler abbilden. Dies kann, nach Auffassung der OSK, nicht in Ziffernoten ausgedrückt werden. Aus diesem Grund werden die Leistungen der Schüler in den unterschiedlichen Kompetenzbereichen und individuellen Kompetenzen bis zur Oberstufe als textbasierte Bausteine festgehalten. Die Kompetenzbereiche und Kompetenzen, die sich in einem Zeugnis wiederfinden, stammen aus den Lehrplänen für das Land Nordrhein-Westfalen.

Diese Art und Weise des Leistungsnachweises ist für Lehrer am Ende eines Schuljahres jedoch sehr aufwendig und zeitintensiv. Ein glücklicher Zufall, so erzählte uns Hans Flinkerbusch, erleichtert ihm und seinen Kollegen heute allerdings das Zeugnisschreiben: Eine Kollegin nahm am wöchentlichen Lauftraining teil und beklagte sich in diesem Rahmen am Ende eines Schuljahres über den Stress, der ihr mit den Zeugnissen bevorstehe. Ihr Lauftrainer Michel Labsch war schnell von dem Konzept der Schule überzeugt, machte sich jedoch daraufhin Gedanken darüber, wie man den Aufwand der textbasierten Zeugnisse minimieren könnte und entwickelte so gemeinsam mit einem Kollegen kurzerhand eine Software, die die Arbeitsbelastung reduziert und zeitgemäß ist – „Schulab“.

Autorinnen

Sabrina Heppner, Isabel Dilba