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ERLEBNISPÄDAGOGIK IM WINTER

Mit Schlittenhunden trainieren, touren und erleben

Wie die Arbeit mit Huskys die SchülerInnen des OUTDOOR COLLEGEs prägt

Huskys ziehen Schlitten

Von Laila Feuerhake  Ausgabe 07 12/2018

Der Alltag auf der Huskyfarm

Ein muffiger Geruch macht sich im Zimmer breit. Der möglichst luftdichtverschlossene Sack unterm Bett wird hervorgeholt – darin die „Huskyklamotten“. Während die anderen SchülerInnen sich ihre Schulsachen schnappen und ins Klassenzimmer gehen, bereitet sich täglich eine Kleingruppe der Jugendlichen im OUTDOOR COLLEGE in Norwegen auf ihren Tag auf der Huskyfarm vor. Mit robuster und wetterfester Kleidung machen sie sich zu Fuß auf den Weg zur Huskyfarm, die nur etwa drei Kilometer von der Schule entfernt liegt.

Knapp 40 Huskys warten dort jeden Tag auf die SchülerInnen, um versorgt und trainiert zu werden. Zunächst gilt es erst einmal die Zwinger und das Gelände sauber zu machen und von Dreck und Kot zu befreien. Sicherlich keine schöne Aufgabe und am Anfang auch mit der einen oder anderen Überwindung verbunden. Aber schnell ist dies zur Routine geworden und läuft wie von selbst. Währenddessen haben die Hunde Auslauf im sogenannten Hundegarten. Dabei sind nicht immer alle Huskys gleichzeitig draußen, sondern nach und nach in kleinen Gruppen.

Nach der Freilaufphase folgt das Einzeltraining. Die Jugendlichen haben je einen zugeordneten Patenhund, auf den sie in der kommenden Einheit ein besonderes Auge werfen. Aber auch die anderen Hunde werden mittrainiert. Im Einzeltraining werden individuelle Schwerpunkte gesetzt: So lernen manche Huskys das Gehen an der Leine sowie Sitz und Platz, während andere bereits weitere Befehle erlernen. Mit einigen Hunden wird darüber hinaus auch das Ziehen von Gegenständen oder dem Scooter geübt, damit diese sich an das Laufen vor dem Schlitten im Winter oder dem Wagen im Sommer gewöhnen.

Nach einer Mittagspause geht es dann in eine weitere Trainingseinheit. Hier ist das Training mit einem gesamten Husky-Team an der Reihe. Dies bedeutet für die Jugendlichen, dass sie ein Team, bestehend hier meist aus sechs Hunden, zusammenstellen und die entsprechenden Vorbereitungen treffen müssen. Ein Blick ins Trainingsbuch verrät, welche Hunde in den letzten Tagen viel gelaufen sind und welche weniger. Die Kenntnis über die einzelnen Huskys, welche in welcher Position und mit wem besonders gut harmonieren, lernen die Jugendlichen von Woche zu Woche besser einzuschätzen. Aber auch neue und ungewöhnliche Kombinationen vor dem Schlitten oder dem Wagen werden immer wieder als Herausforderung angenommen. Das Bereitstellen des Fahrzeugs, das Anbringen der Leinen, das Bereitmachen der Hunde und schließlich das Anketten dieser ist immer eine spannende Aufgabe. Aber dafür wird man dann im Anschluss belohnt und die Hunde ziehen einen Runde für Runde über den Hof. Eine kleine und eine große Trainingsstrecke stehen den SchülerInnen für Trainingszwecke zur Verfügung. Kleine Trinkpausen für die Huskys werden vorbereitet, der Wechsel auf Schlitten oder Wagen läuft fast schon von allein und weitere Runden werden über das Gelände gedreht – immer wieder ein Highlight des Tages auf der Huskyfarm. Die letzte Runde führt dann zurück in Richtung der Zwinger. Hier hin werden die Hunde wieder zurückgebracht und das Material entsprechend verstaut. Nach einem Eintrag in das Trainingsbuch über die Anzahl der Runden und das Verhalten des Gespanns steht noch das Füttern der Tiere an, bevor schließlich der Weg zurück zum OUTDOOR COLLEGE folgt. Ein Tag mit viel frischer Luft, schöner und weniger schöner Arbeit, ausgepowerten Huskys, dreckigen Klamotten und zufriedenen Gesichtern.

Die Arbeit auf der Huskyfarm klingt für die meisten beim ersten Erzählen immer nach einer riesigen Menge Spaß und Aktion, was es ohne Frage auch ist, dennoch ist sehr viel Neues dabei und auch nicht alle Aufgaben sind immer ganz leicht zu meistern. So ist beispielsweise der Umgang mit den Hunden anders als es der eine oder der andere von seinem Hund zu Hause kennt. Das präsente und bestimmte Auftreten gegenüber den Hunden und das Zeigen, wer hier das Sagen hat, ist den meisten Jugendlichen zu Beginn nicht leichtgefallen. Doch genau dies hat den SchülerInnen mehr Selbstvertrauen und Mut gegeben. Sie haben die Aufgaben angenommen und gemeistert und sind an diesen über sich hinausgewachsen. Eine Schülerin hatte sogar zunächst etwas Angst vor Hunden und meinte selbst, dass ihr nach der Zeit auf der Huskyfarm in ihrer Heimat der Umgang mit Hunden leichter fällt. Andere bestätigen, dass es nicht so leicht gewesen sei, zu den doch meist so lieben und schönen Tieren so streng sein zu müssen und haben aber spätestens bei einem Kampf zwischen den Huskys verstanden, wie wichtig dieses Durchsetzungsvermögen sein kann. Das Reinigen der Zwinger und das Füttern mit nicht so gut riechendem Futter stellte ebenfalls für einige Jugendliche eine Herausforderung dar, die sie jedoch annahmen und sich selbst mit wundervollen Trainingseinheiten auf Schlitten oder Wagen belohnten. Auf beiden Trainingsfahrzeugen bewegten die Jugendlichen sich überwiegend zu zweit. Das Einstellen aufeinander und das gemeinsame Agieren und Reagieren musste so von Team zu Team neu geübt und angepasst werden. Das gegenseitige Kennenlernen ist hier noch einmal auf eine ganz andere Art geschehen. Aber nicht nur das Training direkt mit den Huskys hat die SchülerInnen geprägt. Viele Gespräche während des Trainings und auch anfängliche Quatschaktionen, wie das Schlüpfen in die Rolle der Hunde und selbst einmal gemeinsam mit den anderen vor dem Schlitten zu stehen und diesen zu ziehen, zeigte den Jugendlichen, welche Kraft und Ausdauer die Vierbeiner mit sich bringen. Das Verbeugen eines Schülers vor den Huskys im Anschluss an diese Aktion zeigte, wie viel Respekt er den Tieren gegenüber aufbringt.

Mit den Huskys auf Tour

Das absolute Highlight war es dann,  endlich mit den Huskys und den Schlitten durch die Schneelandschaften Norwegens fahren zu können. Und wieder einmal hieß es planen, planen, planen: Welche Teams laufen am besten zusammen? Wie stellen wir etwa gleichstarke Teams zusammen? Wer von den SchülerInnen fährt mit wem? Fragen über Fragen, über die es sich zu einigen galt. Aber auch hier fanden die Jugendlichen Möglichkeiten, gingen Kompromisse ein und lernten sich untereinander vernünftig zu verständigen. Und dann ging es endlich los. Die Hunde waren vor die Schlitten gespannt und um einen herum nur die anderen und sonst nichts, außer einer unendlich schönen norwegischen Schneelandschaft. Was sich nach einem kleinen Märchen und einem entspannten Reisevergnügen anhört, ist harter Sport. Denn die Wege gehen nicht immer geradeaus: absteigen und schieben, lenken und heben, geradestehen und ausgleichen. Die Aufmerksamkeit ist zu einhundert Prozent auf das Fahren gelenkt. Dennoch ist in allen Gesichtern am Zielort ein breites Lächeln zu erkennen.

Während der Touren wurde den Jugendlichen dann schnell bewusst, was für eine Verantwortung sie in diesem Moment tragen. Nicht nur beim Fahren, Absteigen, Schieben, Laufen und Gleiten – Nein, besonders beim Einkehren abends in eine Hütte und dem Suchen eines geeigneten Schlafplatzes für die Hunde: Soll es noch schneien? Müssen wir noch einen Unterstand bauen? Da war die Aufgabe des Futterholens für die Jugendlichen die einfachste.

Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln, aber auch für andere, das gemeinsame Anpacken und Koordinieren von Aufgaben, das Treffen von Absprachen, das Finden von Kompromissen und das gemeinsame Motivieren sind Dinge, die die Jugendlichen auf der Sirdal Husky Farm während ihres Aufenthalts im OUTDOOR COLLEGE in Norwegen gelernt haben. Und ganz nebenbei haben sie noch 40 Huskys als neue Freunde gewonnen und lieben gelernt.

 

 

Info-Box: OUTDOOR COLLEGE

Das Outdoor College ist ein deutsches Naturschulprojekt, bei dem jedes Jahr 28 SchülerInnen die Möglichkeit haben, das erste Halbjahr der neunten Klasse in Norwegen zu verbringen. Dort leben sie mit einem Team aus Lehrkräften und weiteren pädagogischen MitarbeiterInnen in einem eigenen Haus. Gemeinsam wird dort gelebt, gelernt, gekocht und die Natur genossen. Der Alltag ist etwas anders als der in der Regelschule in der Heimat der meisten Jugendlichen. Neben dem Unterricht, der sehr frei und offen gestaltet ist, sind die Jugendlichen verantwortlich für Küche und Haushalt. Darüber hinaus ist jeden Tag eine Kleingruppe auf der Huskyfarm und versorgt und trainiert die Hunde. Eine Woche im Monat sind die Jugendlichen gemeinsam mit einem Outdoor-Trainer in der Natur unterwegs. Dabei lernen sie von Tour zu Tour mehr Verantwortung zu übernehmen und erlangen all das Wissen und die Skills, die sie benötigen, um am Ende ihrer Zeit in Norwegen eine zweiwöchige Tour selbstständig zu planen und durchzuführen. Das Outdoor College ist eine einmalige Möglichkeit, dem Schulalltag zu entfliehen und mehr als nur das Klassenzimmer als Lern- und Lebensraum zu erfahren.

www.outdoor-college.de